Ein Neuer stellt sich vor - mit ein paar neuen Gedanken

Dieses Thema im Forum "Fitness & Bodybuilding Allgemein" wurde erstellt von Mitterfelden, 27.08.2006.

  1. #1 Mitterfelden, 27.08.2006
    Mitterfelden

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    Hallo zusammen,

    um´s gleich vorwegzunehmen - zum einen komme ich aus Bayern ( :-( so mancher mag da den Begriff des stämmigen Ur-Bayern assoziieren, doch weit gefehlt - erstens bin ich nicht stämmig, zweitens, wie es hier heißt, Zugroaster), zum anderen bin ich ein alter Sack, der auf die 60 zugeht. Letzteres mag manchen schockieren, - hat man "im Alter" gemeinhin doch anderes zu tun, als sich mit kaltem Eisen abzugeben. Doch alles hat seine Geschichte, so auch hier. Lasst mich das mal kurz anreißen.

    In meinem früheren Leben war ich begeisterter Kugelstoßer. Ich konnte mir das nie austreiben, immer wieder verfiel ich diesem Sport, für den ich im Grunde nicht die Bohne geeignet war: eher leptosomer Typ, schwächlich und so. Aber - wo die Liebe hinfällt, - es musste halt sein. Bankdrücken ist für diesen Sport eine elementare Übung, wenngleich auch in den Bereichen von über 200 Kilo nicht mehr so von Brisanz. Will sagen: Ob man nun 200 oder 300 Kilo drückt - die Kraftbasis im Schulter-, Brust- und Armbereich ist dann so oder so gegeben, was dann die Weiten ausmacht, ist Sache der Bauchmuskulatur, der unteren Extremitäten und, vor allem, Schnelligkeit.

    Mein damaliges Ziel lautete 18 Meter (damals war das noch was!), mit 8,50m fing ich als Jugendlicher an. Das ging dann auch ganz gut weiter, mit 25 hatte ich knappe 17 Meter zu Buche stehen. Leider blieb es dann dabei, ich konnte anstellen, was ich wollte. Meine Bestleistung im Bankdrücken war wie festbetoniert - lausige 120 Kilo. Und was habe ich trainiert! Mit einem damals sehr erfolgreichen Gewichtheber tat ich mich zusammen, auf dass dieser aus dem Klappergestell von gerade mal 92 Kilo bei 1,94 Größe endlich einen Athleten machte.

    Leider ging auch das in die Hose. Kniebeuge 210 Kilo, Bank - natürlich - wieder 120, lächerlich sowas. Ich verdross zusehens, Frust machte sich breit. Mein Sportstudium mit all den schönen Theorien brachte mich auch nicht weiter, und als ich das abgeschlossen hatte, wurde ich das Gefühl nicht los, keinen Deut klüger geworden zu sein als vorher. Dabei gab es nichts, das ich nicht ausprobiert hätte, wirklich. Und als ich dann mit knapp 30 ein drittes Mal anfing mit dem Bankdrücken (das Kugelstoßen hatte ich schon lange aufgegeben), voller Elan und mit dem festen Ziel, die beschämenden 120 doch noch zu toppen, lief auch alles ganz toll. Aber bei 120 war eben wieder Schluss. Spät reifte die Einsicht - mein ziemlich großer Hub von rund 60cm war an allem Schuld. Ende, aus - kein Interesse mehr.

    1999 geriet ich dann zufällig in die Bekanntschaft mit einem ehemaligen Kugelstoßweltrekordler aus der DDR. Ein Genie! Der Mann war nur 1,81m groß und wog, als er seine ersten 22m-Weiten herausfeuerte, nicht einmal 100 Kilo! Bankdrücken war auch nicht so sehr sein Ding, 235 Kilo war sein bestes Ergebnis. Udo Beyer brachte da über 300 Kilo nach oben! Und wie das so ist - derlei Bekanntschaften motivieren selbst im Alter ungemein. Gemeinsam beschlossen wir, Seniorensport zu betreiben.

    Alles klar, Keller aufgeräumt, Trainingsraum eingerichtet, Hantelanlage und viel zu viel Eisen gekauft, Heizung installiert - so richtig gemütliche vier Wände. Meine Frau, angespornt von diesem trauten Ambiente, funkelte mich kurz an: "Ich mach mit!" Und rund 500 km weiter nordwestlich trainierte mein Kugelstoßer ebenso.

    Der hatte natürlich ein paar Tricks drauf, die in keinem Lehrbuch stehen, logisch. Recht schnell war ich wieder bei über 100 Kilo, dann auch, zum vierten Mal in diesem Leben, die 120 Kilo, ja, ich schaffte allen Ernstes sogar einmal 127,5 - aber das war´s dann auch wieder.

    Zufällig fiel ich so um 2000/2001 über einen Artikel des Mainzer Sportwissenschaftlers Prof. Letzelter mit dem Thema: Mehr Effizienz beim Krafttraining. Mein Kugelstoßer hielt nicht so viel davon - sowas habe man schon zu seinen Zeiten in der DDR praktiziert, allerdings mit wenig Erfolg. Das war interessant, weil eine Situation, wie ich sie liebe: Jemand gibt eine These vor, untermauert sie faktisch und gibt Freiraum für Experimente. Kurz: Ich war anderer Meinung als mein Kugelstoßer und fuhr einen Tag später ins nahegelegene Sägewerk.

    In dert Nacht zuvor hatte ich mir eine Konstruktion ausgedacht, mit deren Hilfe es möglich sein sollte, wenigstens einige Theorien des Herrn Letzelter in die Praxis umzusetzen. (Leider habe ich diesen Artikel nicht mehr. Wer sich dafür interessiert, der schreibe einfach mal an

    Johannes Gutenberg-Universität
    Fachbereich Sport
    Herrn Prof. Dr. Letzelter
    Abt.: Trainings- und Bewegungswissenschaft
    Albert Schweitzer-Strasse 21
    55128 Mainz)

    Binnen einer Woche war meine Bankdrückeranlage nicht wiederzuerkennen. Ich will das hier nicht in allen Einzelheiten ausführen, das Posting wird eh zu lang. Aber loswerden möchte ich noch das, was bei all dem rausgekommen ist: 2002 hatte ich 135 Kilo als Besteleistung zu Buche stehen, 2003 glatte 150, 2004 - krankheitsbedingt - nur eine Steigerung um 2,5 Kilo, 2005 dann der große Schub auf 172,5 und vor einigen Tagen ergab mein vorletzter Leistungstest für dieses Jahr 182,5 Kilo. (Wobei anzumerken ist, dass ich rund vier Monate wegen Krankheit verloren hatte.) Mein Jahresziel war 180, und abzusehen ist, dass da im Dezember noch einiges mehr zur Hochstrecke gebracht werden wird.

    Was ist da passiert? Ich denke, es war vor allem die Umsetzung eines eizigen Gedankens: Mit weniger Aufwand und Steigerung der Effizienz sowie unter Berücksichtigung muskelphysiologischer und auch neurologischer Vorgaben ein GESUNDES Maß an langsam, aber stetig steigender Belastungen LANGFRISTIG auf Ziele hinzuarbeiten.

    Zu einzelnen Parametern noch ein paar Worte. GESUND meint zweierlei - 1. auf individuelle Vorgaben bezogene und nicht ÜBERzogene Belastungen; 2. keinerlei unnatürliche Hilfsmittel, sei es extern zugeführte so genannte "Nahrungsergänzungsmittel", Anabolika schon gar nicht, ebensowenig Hilfsmittel, die vor allem eines fördern: Selbstbetrug. Also kein Drückerhemd. Gesund meint auch hier: Die Kraftzuwächse kommen einzig aus dem Natürlichen.

    LANGFRISTIG: Vorab erstellte Trainingspläne über einen Zeitraum von etwa einem Jahr, mit allen zu erfüllenden Trainingseinheiten und Leistungskontrollen, - wobei "Kontrollen" festgelegte Leistungsbereiche sind, die es zu erreichen gilt.

    MUSKELPHYSIOLOGIE: Man sollte sich darüber im klaren sein, wann ein Muskel am besten stimuliert wird, wann Kraftzuwächse erfolgen und vor allem: was Gift ist für den Muskel. Das Internet bietet hier reichlich Hinweise.

    EFFIZIENZ: Ich fand folgende Definition, die man sich in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen sollte:

    Effizienz ist das Verhältnis eines in definierter Qualität vorgegebenen Nutzens zu dem Aufwand, der zur Erreichung des Nutzens nötig ist. Als effizientes Verhalten bezeichnet man ein Verhalten, das sowohl tatsächlich zur Erreichung des Nutzens führt (Effektivität) als auch den dafür notwendigen Aufwand möglichst gering hält.

    So. Angesichts dieser Definition wurde mir schnell klar, woran mein damaliges Training gekrankt hatte: Nicht das Mehr und Immer-Mehr bringt Erfolg, sondern die klare Abstufung, wie sie im zweiten Teil o.g. Definition angesprochen wird. (Erstaunlich, dass die Sporttheoretiker damals die Dinge anscheinend anders sahen!)

    Dies sind einige Eckpfeiler, zu denen sich - natürlich - noch eine Reihe anderer Ingredienzien gesellen. Darunter beispielsweise auch das Nachdenken über Regenerationszeiten. Wie lange braucht ein Körper, um sich nach ausgiebigem Training zu erholen? Und schon sollte klar sein, dass die Frage an sich falsch gestellt ist - denn, so gesehen, ist sie gar nicht beantwortbar. Hier liest man was von 48 Stunden, dort von 72, ein 340-Kilo-Heber trainiert hingegen Bankrücken jeden Tag. Also - nichts Genaues weiß man nicht. Oder doch? Zumindest sollte man in Erwägung ziehen, dass es DEN Körper nicht gibt, statt dessen Idividuen, die jedes für sich, unterschiedlich regenerieren. Schubladendenken kann Gift sein für ein jedes klar strukturierte Training.

    Und so geht das weiter - das ganze Bankdrücken ist ein Kapitel für sich, was nicht nur für diese Disziplin gelten dürfte, sondern für alle übrigen auch. Sich einmal darüber intensiv Gedanken zu machen, kann schon die halbe Miete für ein erfolgreiches Training sein. Jedenfalls habe ich das auf meine alten Tage noch erfahren.

    Tut mir leid, dass dieser Beitrag nun so lang geworden ist. Ich dachte halt, er könnte Sinn machen für all jene, die irgendwie das Gefühl haben, stehen zu bleiben in ihrer körperlichen Entwicklung. Und Stagnation ist nun mal selten ein guter Nährboden für ein Training, welcher Art auch immer.

    In diesem Sinne
    nicht so schnell aufgeben!
    LG aus Bayern
     
  2. AdMan

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  3. Big B

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    Ein wirklich interessanter und motivierender Beitrag von dir :respekt:

    Es ist schön zu wissen, dass es noch Menschen gibt, die ihr Ziel selbst über Jahrzehnte nicht aus den Augen verlieren und mit unerschütterlicher Motivation immer wieder neu angreifen, selbst im "gesetzteren" Alter.

    Was ist dein Ziel beim Bankdrücken in den nächsten Jahren? Du möchtest doch bestimmt noch die 200 Kg kacken, oder?
     
  4. #3 Sensation White, 27.08.2006
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    Wow toller Beitrag :ok:

    Gefällt mir sehr gut, ich finde der Beitrag gibt Menschen Kraft ein Ziel anzupeilen und es auch so durchzuführen..

    Toll!
     
  5. #4 Hantelfix, 27.08.2006
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    Wow, super Leistung. Mein Respekt. Von wegen alt, du bist jünger als so mancher 30 jähriger. Echt stark. :-D Jetzt hast du uns natürlich alle neugierig gemacht, wie sieht denn dein Trainingsplan aus, wie ernährst du dich und was hast du an deiner Hantelbank umgebaut?
     
  6. #5 Daymate, 27.08.2006
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    also ich fand diesen beitrag auch super, denn es befinden sich hier einige im forum die schnell zu supps greifen würden / wollen und man kann hier sehr gut sehen, dass geduld eine sehr grosse rolle spielt.
     
  7. #6 Mitterfelden, 27.08.2006
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    Hallo zusammen!

    Also das hat mich tierisch gefreut - gleich ein paar Antworten, und so schnell! Toll! :-D

    Bevor nun falsche Hoffnungen geweckt werden, möchte ich eines klar herausstellen: Die Art meines Trainings ist sicherlich gewöhnungsbedürftig - einfach weil da ganze Trainingsauffassungen über den Haufen geworfen werden. Dies geschah nicht etwa aus Besserwisserei oder Trotz heraus, sondern weil es da einerseits diese Initialzündung gab in Sachen Letzelter-Artikel und darauf folgend eine Menge trial & error andererseits. Die Abkehr von so mancher traditionellen Methodik kostete einige Selbstüberwindung, doch letztlich brauchte ich nur meinen Körper zu "fragen", was ihm bekommt, worauf er am besten anspricht und worauf weniger. Will sagen: Das Ganze hat einen sehr individuellen Charakter.

    Ich sage das jetzt mal so, denn ganz sicher bin ich mir da inzwischen auch nicht mehr. Denn wenn ich auch keine Gelegenheit (und Zeit) mehr habe, irgendwelche Flächenversuche zu veranstalten, um mit irgendeiner auch statistisch relevanten Aussage aufzuwarten, so bleibt doch ein Fakt anzumerken, der mir selbst Stirnrunzeln bereitet: meine Frau nämlich.

    Die müsst Ihr Euch als reichlich filigranes Gebilde vorstellen, bei 1,71m mal eben 55 Kilochens, auch schon 54 Jahre jung, und gemeinhin jedem noch so fernen Risiko abhold, das sich auf eventuelle gesundheitliche - oder auch nur optische! - Folgen einer Eisenmaloche beziehen könnte. Anders: Mit aktivem Sport hatte sie bis 1999 nicht die Spur was zu tun. Sie absolviert seit dieser Zeit ein ähnliches Training wie ich und könnte heute, wenn die mir aus Österreich zugesandten Tabellen stimmen, in ihrer AK- und Gewichtsklasse locker bei deutschen Meisterschaften mitmischen. Genauer: Derzeit hantelt sie zuweilen mit Gewichten um 60 Kilo herum. Serien von 6er- bis 12er! So ganz einzig auf mich abgestimmt scheint diese Methodik also doch nicht zu sein.

    Ich muss ferner darauf hinweisen, dass ich kein Bodybuilder bin und in dieser Richtung auch keinerlei Ambitionen habe. (Obwohl ich diesen Sport sehr schätze! Nur fehlt mir die Zeit, mich damit intensiv zu beschäftigen.) Von daher sind mir Zielsetzungen wie Definition oder Massezunahme fremd. Es geht mir also einzig um die Kraftzunahme beim Bankdrücken.

    Zu meinem Training einige Details. Vorab gleich meine eMail-Adresse für an dem Gesamtkomplex Interessierte: Schattengewaechse@t-online.de Ich habe vor einiger Zeit mal etwas ausgearbeitet, das Fotos und Skizzen enthält und hier aus technischen Gründen nicht wiedergegeben werden kann. Ich schicke das Traktat gern jedem zu, der Lust verspürt, sich 17 Seiten einzuverleiben :shocked:

    Wesentliche Elemente sind: Abkehr vom freien Drücken (die übliche Art der Bankdrücktechnik), Hinwendung zum Drücken aus der Ruhe. Ähnlich dem Drücken mittels Power-Rack wird dabei wie folgt vorgegangen: Die Hantel wird heruntergelassen und mit den Scheiben auf zwei zuvor exakt vermessene und stabile Holzböcke beidseits der Anlage abgelegt. Der eigentliche Drückvorgang erfolgt aus der Position völliger Ruhe, womit eines gewährleistet ist: volle Konzentration auf einzig eine Bewegung - nämlich die nach oben. Dadurch entfällt die Muskelvorspannung, folglich können auf diese Weise z.T. deutlich weniger Lasten bewältigt werden als im "freien Drücken". Nebenbei - das ist auch gut so, das war gewollt. Denn besonders für Alterssportler gilt die Prämisse der größtmöglichen Vermeidung von Verschleißerscheinungen vor allem in Schulter-, Ellbogen- und Handgelenken. Die Differenz zwischen maximalen Leistungen im freien Drücken und im Drücken aus der Ruhe (tunlichst ohne Brücke!) kann, je nach Hub, bis zu 30% betragen! Aber wie gesagt - das ist auch so gewollt.

    Daraus folgt: Die immer wieder anzutreffende Aussage, wonach Kraftzuwächse erst bei der Arbeit mit maximalen Gewichten auftreten, kann nicht aufrecht erhalten werden. Formulieren wir den Satz um in Kraftzuwächse erfolgen bei maximaler Muskelstimulation, so erhalten wir eine Aussage, die stimmig ist. Maximale Stimulation bedingt also durchaus nicht das Arbeiten mit maximalen Gewichten!

    Das ist das eine. Ein anderes: Die Regenerationsphasen zwischen den einzelnen Versuchen (nochmal: nach jedem Versuch wird "abgelegt") werden nicht dem jeweiligen körperlichen Zustand angeglichen (etwa: Bei Ermüdung erfolgen länger Pausen!), sondern umgekehrt: Die Pausen werden vorab festgelegt und sind - wenn es sein muss - bis zur Erschöpfung einzuhalten! Es entsteht somit ein regelrechter Drück-Rhythmus! (Wird dieser Rhythmus nicht eingehalten, gilt die Serie als gescheitert, dann geht´s sicherheitshalber zwei Stufen zurück. Mehr dazu per Mail.)

    Ein Wort dazu: Sowas geht nicht von heute auf morgen! Da ist eine Menge an Eigenerfahrung im Spiel, das vorangehende Abschätzen der Pausen vor Serienbeginn bedingt ein ziemlich genaues Einschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit. Hier braucht man vor allem eines: Geduld. Und man lernt etwas ungemein Wichtiges: Die volle Konzentration auf Wesentliches.

    Das Nächste - Serien, Pyramiden oder was? Im herkömmlichen Sinne - weder noch. Gleichbleibende Serien - etwa 6x8 - gibt es nicht. Einfach aus dem Grund, weil sich der Muskel sehr schnell an stereotype Aufgaben gewöhnen kann. Tut er das, arbeitet er auf seine Weise "effizient" - d.h. er gleicht sich an, dosiert die Energien gerade so, dass er "über die Runden kommt". Sowas hieß bei uns damals etwas despektierlich der "Möbelpacker-Effekt": tagein, tagaus immer nur Möbel schleppen ergibt eine gewisse Grundkraft und zuweilen auch einen drahtig aussehenden Körper - doch für darüber hinausgehende Kraftentfaltungen ist er nicht geeignet. Nein, - der Muskel braucht ständig neue Aufgaben, und wenn es sich dabei auch nur um feine Nyancierungen handeln mag: Abwechslung ist angesagt, Gleichförmigkeit ist wahres Gift für angestrebte Leistungsentwicklungen. Natürlich muss mit Serien (unterschiedlicher Länge) gearbeitet werden, ABER: Nach jeder Serie wird das Gewicht um 2,5 Kg erhöht. Ich favorisiere 6 Pflichtserien mit zusätzlichen 4 weiteren freiwilligen, je nach körperlicher Verfassung. Das Gewicht bei gleichbleibender Serienlänge steigert sich also insgesamt um 12,5 bis maximal 22,5 Kilo pro Trainingseinheit.

    Damit ist das Training für diesen Tag beendet. Der nächste Trainingstag (ich trainiere 3x wöchentlich, Mo, Mi, Fr - allerdings inzwischen in der härteren Form des zweimaligen Trainings - morgens und spätnachmittags) sieht - sofern der erste hypertroph gestaltet wurde - kurze Serien mit entsprechend höheren Anfangsgewichten vor. Auch hier wieder: 6 Serien mit jeweils 2,5 Kg Mehrbelastung. Auf diesen Tag folgt wieder ein hypertroph gestaltetes Training, dann wieder ein ziemlich radikaler Wechsel zu Kurzserien (6er bis 3er), am Ende einer übergeordneten Trainingseinheit von 14 Tagen steht dann ein Leistungstest an, wo es gilt, einen maximalen Versuch in eine bestimmte Zone (Spanne 7,5 oder 10 Kilo) zu setzen. Gelingt das, werden die nächsten 14 Tage in Angriff genommen - allerdings mit einer Erhöhung um jeweils 2,5 Kilo zum jeweiligen Grundgewicht. Nach 8 Wochen erfolgt eine erhebliche Zäsur, wobei es 14 Tage lang nur darum geht, "verrückte" Dinge anzustellen - etwa umgekehrte Halbpyramiden, die ziemlich an die Substanz gehen. Ist das vorüber, gönne ich mir, auch wenn´s schwerfällt, 14 Tage absoluter Hantelabstinenz. Dann geht alles wieder von vorn los, natürlich mit den jeweiligen Grunderhöhungen um 2,5 Kilo - und zweimal im Jahr unternehme ich dann für jeweils eine Woche Leistungstests im "freien Drücken". Wie das Ganze sich nun genau darstellt, ist in Tabellenform im o.a. Traktat aufgelistet.

    "In jedem Erfolg verbirgt sich die Motivation zum nächsten Ziel!" - Ein weiser Spruch, den hier jemand als Motto genommen hat. Man kann ihn gar nicht oft genug wiederholen! Auch und vor allem darauf ist mein Training ausgerichtet. Das heißt: Ich beginne den Trainingsplan nicht etwa beim leistungsmäßigen Status Quo, sondern stapele bewusst um ca. 20% (nach längeren Krankheiten auch mehr) tiefer. Denn die Motivation besteht nicht zuletzt darin, zu sehen, wie die Leistungskurven (in allen Bereichen, Serien wie maximal) linear nach oben verlaufen. Das ist ein kleiner Trick, weiß doch jeder, dass es lineare Leistungsverläufe nur sehr begrenzt und vor allem in Frühstadien geben kann, - ansonsten verläuft alles kurvenmäßig immer flacher und nähert sich einem Grenzwert an. Das muss aber nicht so sein - es hängt alles von der Planung ab. Will man den linearen Verlauf, dann kriegt man ihn auch. Ich sage "man" - dabei gehe ich nur von mir aus, sagen wir so: das ist jetzt eine ziemlich subjektive Aussage. Nur sage ich mir: Wenn mir altem Knochen das gelingt, wieso sollte es dann nicht erst recht jüngeren Menschen gelingen?!

    Zur Ernährung: Ich bin Normalesser und vertilge, was mir schmeckt. Trinke auch allabendlich meine Maß Bier (allerdings mit einem halben Liter Wasser vorab). Der Körper nimmt sich, was er braucht aus ganz normaler Nahrung - überschüssige Zugaben in Form von Ergänzungsmitteln werden eh oft wieder ausgeschieden. Allerdings - irgendwann kommt die Phase, da man gar nicht so viel essen kann, wie der Körper an Eiweiß, Kohlehydraten, Vitaminen u.a. durch das intensive Training braucht. Ich hatte früher mal ein sündteures Zeugs zu mir genommen, hieß, glaube ich, Gain Weight und warb noch mit Schwarzenegger. Danach gab´s ein ähnliches Mittel namens Dynagool. Beides schmeckte prima, hatte bei mir aber ansonsten nicht die geringste Wirkung gezeigt. (Das will jetzt nicht unbedingt was heißen, vielleicht bin ich ein Ausnahmefall :roll: ) Nun weiß man um die Wirkung von Bananen, Honig, Milch und Magerquark - letzteres gilt als so ziemlich das beste Eiweiß, das der Körper schnell umsetzen kann. Ich mixe mir also vor jedem Morgentraining einen 1l-Messbecher bestehend aus 2 Bananen, drei Esslöffel Honig und 250g Magerquark mit fettarmer Milch zusammen und trinke die Hälfte davon während des Trainings, die andere Hälfte beim Abschlaffen gleich danach. Also ich schwöre auf dieses Gebräu! (Kann man auch noch anreichern mit ungesalzenem Erdnusspulver.)

    So, ich breche hier mal ab. Meine mail-Adresse steht oben, ich schicke Euch gern die Detailausarbeitung zu.

    Wünsche einen schönen Sonntagabend!
     
  8. #7 Hantelfix, 27.08.2006
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    Hey, das hört sich alles sehr gut an. Ich will auch mehr wissen, deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn du mir dein Material mal zuschicken würdest. Ich werde mal an deine Email schreiben. Was machst du sonst noch außer BD oder ist es wirklich das einzige, was du machst?
     
  9. #8 JackWhite, 27.08.2006
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    Hut ab !

    Das hört sich ja nach einer einer ganz eigenentwickelten Trainingsmethodik.
    Es tönt aufjedenfall sehr interesant und anmachend und für Lesitungsorientierte BD oder solche die ihre Leistungen noch verbessern wollen.

    Die Tipps mit der Banane und dem Magerquark kann man sicher beherzigen auch wenn manche hier auf ihr "Proeinpulver" und ihren Weight Gainer schwören.

    Aufjedenfdall will ich dir für den spannenden Artikel den du verfasst hast danken :D.

    Mfg Jacky
     
  10. dnd

    dnd Eisenbieger

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    Du drückst also 180 raw?
    Schon mal an eine Wettkampfteilnahme gedacht?
     
  11. AdMan

    Hi
    guck dir mal die passende Kategorie an.

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  12. #10 Mitterfelden, 03.09.2006
    Mitterfelden

    Mitterfelden Newbie

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    Ein paar Antworten

    Hallo zusammen,

    besten Dank für die Resonanz und auch die erhaltenen Mails! (In diesem Zusammenhang: bitte direkt anmailen! Wenn ich mir die Mails hier aus den Profilangaben holen muss, kann es bei meiner technischen Begabung :-( passieren, dass da glatt was schiefläuft!)

    Zu einzelnen Fragen, die hier gestellt wurden, ein paar knappe Antworten.

    Trainingsziel 200? Natürlich träume ich von sowas, muss allerdings in meinem Alter mit allem möglichen rechnen, das dazwischenkommen kann. Ich sehe das Ganze vornehmlich unter gesundheitlichen Aspekten: Seit ich dieses Training durchziehe, fühle ich mich bombig gut drauf, bin weniger krankheitsanfällig als früher (alle Rittlang Erkältungen, auch Muskelverspannungen u.ä.) - kurz: es passt, wie man hier bei uns sagt. Dennoch sind für Ende Dezember 190 Kilo im Plan. Sollte das, aus welchen Gründen auch immer, nicht hinhauen, kann ich damit leben - aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

    Nein, ich mache nicht ausschließlich Bankdrücken :-D . Ich bin beruflich ganz ordentlich eingespannt (wenngleich der Beruf mit der Eisenstemmerei nun wirklich nichts zu tun hat - bin Gitarrist und Biograph) und gehe darüber hinaus noch einigen anderen Interessen nach. Bankdrücken ist lediglich eines davon.

    Wettkämpfe - na ja, das ist bei mir so eine Sache. Vor allem eine der Bequemlichkeit :dampf: . da müsste ich mich dann speziell vorbereiten, die Vorbereitung passte dann vermutlich nicht in meinen Trainingsplan, irgendwie gäbe es Kuddelmuddel und Ärger mit mir selbst, weil ich Probleme mit Umstellungen hätte (ich bin halt meine Hantel gewohnt, auch an die "Einsamkeit der Maloche" in den besagten 4 Wänden, lange Anreisewege sind auch nicht mehr so mein Ding), - und nur, um mir bestätigen zu lassen, dass ich hier oder da irgendeinen Platz belegt und dies oder das gehoben habe, tue ich mir Wettkämpfe nicht mehr an. Es fehlt einfach an diesbezüglichem Ehrgeiz. Mir kommt es auf die absolute Leistung an, weniger auf die unter bestimmten Voraussetzungen erzielte. Sowas nervt mich dann auch - wenn ich weiß, dass ich, sagen wir, 180 heben kann und an diesem speziellen Tag nur 165 hoch bekomme, weil mich das ganze Prozedere des Wettkampfs nervös gemacht hat, dann kann ich mich auch über einen eventuellen ersten Platz nicht mehr freuen. Bin halt so :-( . (Wird auch am Alter liegen.)

    Besten Gruß aus Bayern!
     
  13. #11 mgericom, 03.09.2006
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    ein sehr sehr guter beitrag. liest sich sehr gut und sehr viele informationen. regt sehr zum nachdenken an!

    :huepf:
     
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  1. Udo beyer Bankdrücken

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